Das innere Team

Die eine sagt HÜ – die andere HOT. Der eine euphorisch „Los, das wird toll““ – der andere „Was, wenn es schief geht?!“

Was klingt wie eine Diskussion zwischen zwei Personen, ist in Wirklichkeit eine Unterhaltung, die mehrmals täglich in unseren eigenen Köpfen stattfindet. Das hat nichts mit Schizophrenie zu tun. Es handelt sich lediglich um die ganz normale Vielfalt unserer unterschiedlichen, inneren Persönlichkeitsaspekte.

Der aktuelle Trickfilm „Alles steht Kopf“ bringt dies grandios auf den Punkt! Die fünf Grundemotionen Freude-Traurigkeit-Ekel-Angst-Wut bilden die „Schaltzentrale“ im Kopf der kleinen Riley. Wir als Zuschauer erleben, wie diese innere Kommando-Crew miteinander ringt, wenn Riley versucht,  tägliche Situationen – und vor allem Krisen – zu meistern.

Es gibt kaum eine unterhaltsamere Umsetzung des Modell des Inneren Teams nach Friedemann Schulz von Thun! Bestens visualisiert und auf unterhaltsame Weise wird hier veranschaulicht, was eigentlich los ist, wenn nichts mehr geht. Wenn wir uns beispielsweise nicht entscheiden könne und wie gelähmt sind. Im Inneren liegen dann mindestens zwei „Parteien“ unserer Kommando-Zentrale im Klinsch und können sich nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen – ganz gerne sind dies übrigens die Anteile Freude und Angst. Der eine sagt HÜ, der andere HOT. Und schon kommt die ganze Maschinerie zum Stillstand. Ein klassisches Schachmatt! Wie beim Seilziehen: Zwei gleichstarke Gruppen treten gegeneinander an. Was passiert? Beide Seiten ziehen mit aller Kraft … und nichts passiert. Sie bleiben auf der Stelle. Am Schluss hat sich nichts bewegt, aber die Energiereserven sind erschöpft.

So geht es vielen Coaching-Kunden, wenn es um das Thema Entscheidungsfindung geht. Sie haben sich viele Gedanken gemacht, Pro- und Kontra-Listen erstellt –  noch und nöcher – liegen seit Wochen nachts grübelnd wach und gehen mit ihrer Unentschlossenheit manchmal ihrem Umfeld schon auf die Nerven. Was tun?

Rational kann man eine Entscheidung übrigens gar nicht fällen. Wie Untersuchungen zeigen, fällen wir Entscheidungen nämlich IMMER erst mit dem Bauch. Der Kopf versucht dann im zweiten Schritt, die gefühlte Entscheidung rational zu untermauern. Denn wer sagt schon gerne, gefragt nach dem Grund für eine Entscheidung, „Es war so ein Bauchgefühl“? Eben.

Wenn aber Kopf und Bauch nicht übereinstimmen, kommt es zur Patt-Situation.

Im erster Schritt ist es sinnvoll, erstmal herauszufinden, welche beiden Parteien sich gerade beharken. Der zweite Schritt: Die Parteien miteinander „ins Gespräch bringt“. Oft geschieht dann ein kleines Wunder: Die Parteien sind meist gar nicht mehr gegeneinander, sondern können sich auf ein gemeinsames Vorgehen einigen!  So geschieht es im Film zwischen Freude und Traurigkeit. Der Freude ist die Traurigkeit als ständige Bremse ein Dorn im Auge. Aber auch sie hat ihre Daseinsberechtigung und einen Nutzen. Es gilt, diesen zu sehen und anzuerkennen. Anstatt gegeneinander zu arbeiten, können die unterschiedlichen Persönlichkeitsaspekte dann gemeinsam ein Ziel ansteuern und zusammen den nächsten Schritt gehen. Grundvoraussetzung für jedes erfolgreiche Sportteam.

Wer also öfter mal zweifelt, unentschlossen ist oder sich schon länger mit einer Entscheidung schwer tut, könnte also auf Spurensuche gehen und schauen, wer da im Inneren gerade im Klinsch liegt. Und im nächsten Schritt klären, was welcher Aspekt braucht, um den nächsten Schritt zu gehen.

It takes two to tango.